Warum ist die Auseinandersetzung mit Tod und Trauer wichtig?

Wenn Menschen so kostengünstig wie möglich, anonym und manchmal gar ohne eine Feier zur Würdigung ihrer Einzigartigkeit bestattet werden, so frage ich mich: besitzt das Leben in unserer individualisierten Gesellschaft keinen Wert, keine Individualität mehr, sobald es erloschen ist? Ist es unsere Angst vor der Auseinandersetzung mit Tod und Trauer, die uns so handeln lässt?

Trauern und Abschiednehmen gehören zum Leben, ob es sich nun um den "großen Abschied" Tod oder andere, kleinere Abschiede handelt. Wir können dem nicht ausweichen. Eine bewusst und individuell gestaltete Trauerfeier, in der die Lebensgeschichte der/s Verstorbenen mit menschlicher Wärme und Empathie erzählt und erinnert wird, hilft uns dabei, unserer Trauer Ausdruck zu verleihen und unterstützt ihre Bewältigung durch das Erinnern: Wir geben der/m Verstorbenen einen Platz in unserem Gedächtnis, wo sie/er für uns aufgehoben bleibt.

 

 

Ich meine, Trauer braucht nicht nur die

Gemeinschaft derer, die die/den Ver-

storbene(n) gekannt haben, sondern

auch einen Ort - es muss ja nicht das

herkömmliche Grab auf dem Friedhof

sein.

 

Einmal durchlebt, kann unsere Trauer zu neuer Kraft und Lebendigkeit führen. Sie kann unser Leben wesentlicher und wertvoller machen. Wenn ich mich entscheide, mich mit Tod und Trauer zu beschäftigen, und mir meiner eigenen Begrenzung bewusst zu werden, so bereichert dies mein Leben. Und die Auseinandersetzung mit dem Tod ließe wohl vieles in einem anderen Licht erscheinen: Was ist wirklich wichtig in meinem Leben? Was würde ich tun, wenn ich wüsste, ich hätte z.B. nur noch ein Jahr zu leben? Erst im Bewusstsein meiner Endlichkeit kann ich meine kostbare Lebenszeit voll und ganz nutzen. Im Hier und Jetzt präsent sein. Den Augenblick genießen.

Und egal, ob wir an ein Weiterleben nach dem Tod glauben - wir brauchen Rituale, die unserer ganz eigenen seelischen Verfassung im Zustand der Trauer entsprechen und die uns erlauben, diese adäquat auszudrücken.